Seife

Silke

Geschichten, die das Leben schrieb.

Nur ein bisschen Seife?


,,Sie haben ihr Ziel erreicht!" Irritiert betrachte ich meine Umgebung. Rechts von mir geht der enge Feldweg weiter den Berg hinauf und ich stehe mitten in der Pampa in einer Art Einfahrt. In derselben parkt ein grüner VW Bus mit diversen Kreativ Anhängern an der Windschutzscheibe. Mein Blick bleibt an einem weissen Schild über dem Lenkrad mit der Aufschrift" Schausteller" hängen. Dann war ich ja vielleicht doch am richtigen Ort gelandet? Vorsichtig steige ich aus, und betrachte das Häuschen hinter dem VW Bus. Also wie eine Seifenfabrik sieht das eher nicht aus. Aber vielleicht wissen die Anwohner ja, wo ich diese finde....Wie ein Eindringling laufe ich den kurzen Pfad entlang, der aussieht, wie ein kleiner Feengarten. Überall klimpern Glöckchen und leuchten Glitzersteine…

Das Häuschen am Ende des kurzen Weges scheint  zu atmen. Die Eingangstür des windschiefen Baus scheint mich nur milde anzulächeln, als ob sie mir sagen wollte: ,,Vor dir waren schon viele da. Tritt ruhig näher, hier gibt es auch für dich viel zu lernen und zu entdecken. Vor der Tür stehen Kartons, Kinderspielzeug und ein altes Schränkchen, auf dem ein kleines Brett mit der Klingel liegt. Zu meiner Beruhigung steht auch hier ein Zettel mit der Aufschrift: Seifenmanufaktur . Während ich noch überlege, ob der vertrauensvoll im Schloss steckende Schlüssel den Besucher auffordert, einfach einzutreten, öffnet sich die Tür und vor mir steht ausser einem bellenden schwarzen Hund ein attraktiver Mitvierziger mit graumeliertem Männerdutt und Kinnbart. Auf meine Frage, ob ich hier richtig sei, öffnet er die Tür ganz, schiebt den neugierigen Hund zur Seite und fragt, mit einem Blick auf zwei weitere Hunde , eine Katze und mehrere Jacken und Kinderschuhen im  Eingangsbereich: ,, Hast du Angst vor Hunden?" Ein wenig überrrumpelt von dem distanzlosen  "Du" verneine  ich und folge  dem vielfältigen Duft und dem Herrn in das Seifenlädchen. Auch hier herrscht kreatives Chaos. Überall liegen Flyer, Seifen- und Cremeproben, kleine Spatel, Seifenschalen aus Holz und bunt bemaltem Ton, Seifentütchen aus Gaze und aus Stoff und bunte Papieretiketten. Der Duft aber kommt aus den vielen Körbchen mit verschiedenen Seifen auf den Holzregalen an der Wand. Erst einmal überwältigt von der großen Auswahl und dem Potpourri aus Zitrus, Lavendel, Rosmarin, Thymian, Tanne, Rose, Veilchen, Mohn, Kokos, Vanille, Kakao, und vielen anderen Aromen, hätte ich beinahe überhört, wie der Mann mich auffordert, die Seifen zu nehmen, die zu mir wollen. Andächtig nehme ich ein Stück nach dem anderen in die Hand und schnuppere daran. Kurze Zeit später ist mein Einkaufskörbchen halb voll. Mit einem Blick auf meine Auswahl meint mein Gegenüber: ,,Du magst wohl Zitrusdüfte?, Riech mal diese hier, wie findest du das Aroma?" Sanft halte ich mir das hübsche Marmorseifchen an die Nase und einen Atemzug später befinde ich mich in der Wohnung meiner Oma. Als ich das Waschstück mit den Worten: ,Das erinnert mich an meine Oma." wieder zurücklege, schaut mich der Inhaber wissend an. In der Zwischenzeit ist auch die Frau des Hauses dazugekommen und zeigt mir ihre Kreationen von Cremes und Lippenbalsam. Meine Fragen zu Duftessenzen, Inhaltsstoffen und Farbauswahl beantwortet sie ausführlich und kompetent. Schließlich gibt sie mir noch ein wenig Sheabutter mit, damit ich mir eine eigene Körpercreme mischen kann. Im Gespräch mit den beiden erfahre ich, dass ihre vier Kinder alle auf der Waldorfschule sind, und kurz frage ich mich, wie sie soviel Schulgeld finanzieren können. Wir plaudern noch eine Weile über Seifensieder Kurse und bevorstehende Veranstaltungen. Interessant finde ich noch die Anmerkung der beiden, dass sie bei einer Verkaufsausstellung nie bestohlen werden, auch wenn die Standbesitzer der umstehenden Buden über deutlich wahrnehmbaren Schwund klagen… ,,Wer sich für Seifen interessiert, klaut nicht!" ist ihre These... Ich frage noch nach Seifenschälchen und ernte wieder einen wissenden Blick, als ich die Magnetknopfvariante als Seifenhalter mit den Worten: ,,das hatte meine Oma." ablehne. Der Verkäufer lacht und meint: ,, Du hattest aber eine schlimme Kindheit!" Nachdenklich schaue ich ihn an und entgegne: ,, Nein, die Omi war eigentlich ganz lieb, nur wollte sie nie nach draussen und alles Neue war blöd!" Bedächtig wiederholt mein Gegenüber: ,,Alles Neue war blöd!"  Nach diesen vielen Sinneseindrücken, beschließe ich meinen Einkauf zu bezahlen und ein anderes Mal wieder zu kommen. Nachdenklich mache ich mich auf den Heimweg und überlege mir, ob ich tatsächlich nur Seifen kaufen war.....

 


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